Die Urbilder

Was sind innere Bilder?

Jeder Mensch hat innere Bilder.

Wir erinnern uns an Vergangenes, träumen oder stellen uns Situationen in der Zukunft vor.

Wenn wir einen Roman lesen, so baut sie das Geschehen vor unserem geistigen Auge auf und wir erleben die Geschichten der Helden mit.

 

Kinder sind in dieser Welt zuhause. Ständig können sie visualisieren und Gehörtes sofort in innere bewegte Bilder umsetzen.

 

Mit dem Erwachsen werden verlieren wir jedoch diese Fähigkeit immer mehr, ähnlich wie einen Muskel, den wir lange nicht mehr trainiert haben.

Unser Umfeld will, dass wir vernünftig sind, was "Gescheites" machen und vor allem logisch handeln.

 

Doch damit verlieren wir auch einen Teil unserer Kreativität, denn die Möglichkeit der Visualisierung ist die Grundlage jeder schöpferischen Tätigkeit.

 

Wenn wir bei dem Vergleich mit dem untrainierten Muskel bleiben, so bietet dies allerdings die Chance, dass wir an unserem Schicksal etwas ändern können, denn mit Übung und Ausdauer können wir uns die inneren Bilderwelten zurückerobern.

 

Jede Nacht wenn wir träumen und uns mit Unverarbeitetem beschäftigen, erleben wir unsere inneren Bilder. Doch leider haben wir am Morgen das meiste bereits vergessen.

Wir funktionieren und vernachlässigen so die Kraft, die in diesen Bildern ruht.

Welche Bedeutung haben diese inneren Bilder?

Wir haben alles, was wir je erlebt haben innerlich abgespeichert, so wie ein Computer alle Daten auf seiner Festplatte speichert.

Damit haben wir alles was wir erinnern können und alles was wir vergessen oder verdrängt haben gleichermaßen in unserem System verankert.

Es gibt viele Erlebnisse, die uns zwar heute nicht mehr bewusst sind, die uns aber immer noch nachhaltig prägen.

Sie bestimmen unser tägliches Handeln, ob wir wollen oder nicht.

 

Haben Sie sich nicht manchmal gefragt, wieso Sie eine bestimmte Verhaltensweise einfach nicht ändern können, obwohl Ihnen bewusst ist, dass es Ihnen nicht gut tut oder Sie selbst davon genervt sind?

 

Die Antwort liegt eben in diesen abgespeicherten Erinnerungen, hierbei haben wir in den damaligen Situationen Entscheidungen getroffen, nach denen wir auch heute noch agieren.

Oft waren es Momente in unserer Kindheit oder Jugend. Wir brauchten diese Entscheidungen, um uns subjektiv schützen zu können.

Doch nun sind wir erwachsen und handeln immer noch, wie es für die Dreijährige oder die Dreizehnjährige notwendig erschien.

Wie lässt sich das Verhalten ändern?

Zunächst müssen wir uns des Zusammenhangs zwischen unseren Gefühlen und Handlungen heute und den einstigen Geschehnissen bewusst werden.

Dazu sind Sie im entspannten Zustand grundsätzlich in der Lage.

Mittels einer besonderen Fragetechnik gelangen Sie durch einem assoziativ verlaufenden Suchprozess in die dazugehörigen Situationen zurück.

Wir folgen quasi der Spur in unserem Leben rückwärts zum Moment der einstigen Entstehung zurück - damit sind wir auf der Prägungsebene.

Hier muss nun die "Softwareanweisung" umgeschrieben werden.

Dies geschieht durch eine innere Auseinandersetzung mit der damaligen Situation und den beteiligten Personen.

Durch diese Auseinandersetzung entsteht in Ihnen eine Harmonisierung und eine Neuordnung Ihrer inneren Bilder.

Da wir in diesen Umstrukturierungsprozess nicht eingreifen, verläuft er nach einer Naturgesetzmäßigkeit immer positiv und lebensbejahend.

 

Am Ende entsteht ein befreites Gefühl - die einstigen Fesseln, die unser Handeln bestimmten, sind aufgelöst.

 

Natürlich können wir uns nach wie vor an alles, was uns im Leben widerfahren ist, erinnern, doch es hat im Alltag keine belastende Bedeutung mehr.

Was sind Urbilder?

Zur Erläuterung der Urbilder folgendes Beispiel:

 

Eine Klientin kommt mit dem Problem, dass sie sich bei Ihrem Chef nicht behaupten kann. Sie hat das Gefühl, die Einzige in der Firma zu sein, an der er seine schlechte Laune auslässt.

Sie ist unglücklich, weil ihr mittlerweile schon der Gedanke an die Firma Kopfschmerzen und schlaflose Nächte bereitet - dabei mag sie ihre Arbeit.

 

Wir folgen der Spur ihrer Gefühle und finden sehr schnell ihren dominanten Vater in der Kindheit, der sie schlug, wenn sie die Aufgaben, die sie auf dem elterlichen Bauernhof hatte, nicht schnell genug erledigte.

Auch die Mama hat sie nicht beschützt, sie hatte selbst Angst vor dem Vater.

 

Die Erinnerungsbilder, die die Klientin an ihre Eltern hat, sind also unerlöst. Ihr wurde kein Gefühl der "Rückenstärkung" durch die Eltern vermittelt.

 

Ihre Aufgabe ist es nun, in der Innenweltreise den erinnerten Eltern aufzuzeigen, welche Auswirkung deren Verhalten in ihrem weiteren Leben hat. So zeigt sie auf, dass es ihr in der Firma mit diesem Chef nicht gut geht.

Da sie in ihrer Innenwelt agiert und damit kreativ und aktiv hier handeln kann, kann sie den Eltern ihre weitere Geschichte aufzeigen und die Folgen erklären.

 

Im Verlauf der Auseinandersetzung mit den inneren Eltern lernen diese, dass ihre Handlungen nicht gut waren, dass sie damit ihrer Tochter schadeten, sie sind schließlich zur Unterstützung bereit.

(Eigentlich lernt die Klientin selbst was für sie wichtig ist und welcher Unterstützung sie bedarf, denn ihre wirklichen Eltern sind nicht da und somit nicht am Veränderungsprozess beteiligt).

 

Am Ende entstehen innere Eltern die nachhaltig hinter ihrem Kind stehen und es fürs Leben stärken.

(Die Klientin entwickelt auf diesem Weg die Stärke, die sie benötigt um sich im notwendigen und souveränen  Maß gegen die Attacken ihres Chefs und ähnliche Personen behaupten zu können.

 

Für das Gehirn ist es unwesentlich ob es ein Geschehnis direkt erlebt oder ob es nur in der Innenwelt stattfindet, die Bilder haben die gleiche Kraft.

Wichtig ist, dass die Neuordnung im Prozess von selbst entsteht, denn nur ausgedachte Veränderungen sind nie von nachhaltiger Wirkung.

 

Die sich bildenden Neustrukturierungen entstehen aus einer Gesetzmäßigkeit heraus, die immer Richtung Leben und Lebendigkeit - wie alles in der Natur, das aus sich heraus wachsen darf - ausgerichtet ist.

 

Entsprechend verändern sich die Eltern zu "Ur"-Eltern. Sie entwickeln sich gemäß unserem inneren tiefen Ur-Wissen, welche Qualitäten Eltern haben sollten.

 

Auch ihren wirklichen Eltern kann die Klientin nun souveräner entgegentreten, denn jetzt ist sie nicht mehr in den Verhaltensweisen gefangen, die sie seit ihrer Kindheit trainiert hat.

Sie kann sich ausprobieren und wenn sie ungewohnt für ihre Eltern reagiert, dann müssen auch diese neue Wege im Umgang mit ihrer Tochter beschreiten.

 

All das macht sie letztlich stärker und selbstbewusster im Umgang mit ihrem Chef.